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Deine Kleidung ist vielseitig. Du übrigens auch. Darum braucht niemand zwei Kleiderschränke.

Autorenbild: Seraina Winkler
Seraina Winkler
27. Juli
3 Min. Lesezeit

«Kann ich das eigentlich im Büro tragen?» oder noch offener “Wo und wann trage ich das?” Hast Du Dir diese Frage auch schon gestellt? Als Stylistin – insbesondere von Führungspersonen und Personen mit öffentlichem Profil – habe ich diese Frage immer wieder gestellt bekommen. Meine Antwort dabei blieb die letzten über 15 Jahre immer dieselbe: Es geht nicht darum, ob Du etwas tragen kannst oder sollst, sondern um wie. Zu Deutsch: “Was (vermeintlich) nicht passt, wird passend gemacht.”

Im modernen Geschäftsalltag redet alle Welt über Agilität, Authentizität und Leadership. Grosse Themen, die alle des gleichen bedürfen: Eines eigenen Blickwinkels. Algorhythmuskonform ausgedrückt: eines POV’s (Point of views). Wie dieser zustande kommt? Durch genaues Hinschauen und entsprechende Einordnung des Gesehenen. Je verdauter eine Ansicht, desto echter kann man diese übermitteln. Ob im Business beim Bewerbungsgespräch, Kundenmeeting, Führungsgesprächen oder im Privatleben zu Tisch, beim Date oder Treffen mit Freunden: sich selbst soll man kommunizieren. So wie man ist. Nur: man ist nicht in jedem Setting gleich und nicht jedes Setting verlangt das Gleiche. Gerade Authentizität bedeutet aus diesem Grund nicht zwangsläufig starre Uniform, sondern Rollenverständnis. Bewusste Bekleidung macht diesen ominösen eigenen POV sicht- und spürbar. Klingt kompliziert? Ist es nicht. Es ist simpel, aber signifikant.


Voller Schrank, nichts zum Anziehen

Kommt dir das bekannt vor? Keine Sorge, uns allen. Eines der Hauptprobleme dabei? Wir kategorisieren so stark, dass wir Kleidungsstücke nur einzeln betrachten und damit auch eindimensionale Identitäten kultivieren. Sprich: Ein Büro-Ich, Ein Feierabend-Ich, Ein Wochenende-Ich. Drei Versionen von uns selbst mit dazu passendem Merchandise. Das Büro-Hemd, der Büro-Anzug, das Bürokleid, der Wochenend-Pulli und das Ausgeh-Shirt. Als würden wir verschiedene Menschen einkleiden, die zufällig Stauraum miteinander teilen.

Das Resultat: Der Schrank platzt aus allen Nähten und trotzdem: nichts zum Anziehen. Insbesondere nicht ausserhalb der vordefinierten, tendenziell sehr eng gedachten Konventionen.


Die gute Nachricht zu erst: Du bist keine Rolle – Du füllst sie mit Persönlichkeit.

Als multidimensionale Wesen, sind wir facettenreich. Auch ganz ohne Kleiderschrank-Strategie bringen wir diese Qualität inhärent bereits mit. Welche Aspekte unserer Persönlichkeit in welchem Setting am sinnvollsten zum Strahlen kommen, dabei hilft bewusstes Bekleiden.

Wie das? Mittels Styling. Styling macht Bekleidung zum Kommunikationsmittel, welche durch verschiedene Kombination die gewünschte Zielwirkung entfaltet.

Wir fragen uns also nicht: Wer muss ich heute sein? Zieht man das heute so an? Sondern: Was verlangt meine Rolle heute von mir und was will ich in der entsprechenden Situation kommunizieren? Nicht jede Situation verlangt nach “knallharten Entscheidungen” oder “grenzenloser Zugänglichkeit”. Was aber in jeder Situation hilfreich ist, ist Kontextbewusstsein. Das signalisiert nebst Kompetenz vor allem auch: Substanz.


Nicht in Einzelstück denken, sondern in Komposition!

Ein Outfit entsteht wie ein Layout, aufgebaut für eine bestimmte Zielwirkung. Es hat eine Hauptaussage und begleitende Spezifizierungen. Was gemixt und gematched wird, bestimmt den Ton: distanziert oder partnerschaftlich, entscheidungsstark, zugänglich oder zurückhaltend bis neutral. Ein Blazer kombiniert zu Jeans und T-Shirt übermittelt ein völlig anderes Flair als derselbe Blazer in klassischer Hosen-Anzug-Kombination. Und genau hier entsteht Persönlichkeit: Verschiedenen Elemente zu einer kohärenten Grundstimmung kombinieren.


Struktur ja, starre Uniform nein

Klar, manchmal verlangt der Job oder die Situation nach mehr Struktur. Was auch absolut sinnvoll ist. Man sollte allerdings weder in die eine, noch in die andere Richtung überkorrigieren. Gerade im heutigen Officealltag ein grosses Thema. Setzte man früher vielleicht fast etwas zu sehr auf Distanzierung, so heisst das nicht, dass man heute völlig ins Gegenteil überschwenken sollte und universell den “zugänglichen Smart-User Look” oder Casual-hero / heroine geben muss. Es heisst lediglich zu verstehen: Wo darf es eine Prise mehr Struktur sein und wie kann man innerhalb dieser das eigene Flair gewinnbringend einsetzen. So wenig wie es ums Verkleiden geht, geht es um die starre Einhaltung von Konvention.


Das Zauberwort heisst: Styling

Gutes Styling – in jeder Situation – kommuniziert im besten Fall die eigene Persönlichkeit und verbindet diese mit deren Umfeld. Hier kommt auch die Vielseitigkeit Deiner Kleidung zum Zug und macht Deine Looks wirklich individuell. Ganz ohne in einen Monolog oder forcierten Selbstausdruck auszubrechen.

Gerade am Beispiel der Büro-Klassiker Hemd, Bluse, Blazer, Hose oder Shiftdress zeigt sich wie vielseitig man diese Teile je nach Kontext kombinieren kann, damit eine Garderobe entsteht, die so facettenreich ist wie Du und obendrein Deinen Schrank schlank hält. Kurz: Du brauchst nicht mehr, sondern eine klare Haltung in verschiedenen Situationen, die durch verschiedene Kombinationen zur Geltung kommt.

 

Genug gesagt, hier ein paar Beispiele – die Gleichen Teile unterschiedlich gestylt mit unterschiedllicher Wirkung:


Die Bluse / Das Hemd – Schlicht vielseitig:




Der Blazer / Das Sakko – flexibel strukturiert



Das Shiftdress – Mehr als eine Feminität




Die Anzughose – Schlicht aber immer ein fit




Du siehst: Die Mischung macht's. Kleider treten – wie Worte – immer in Kombination auf. Und wie Worte entfalten sie ihre volle Wirkung erst im entsprechenden Zusammenhang.

 

Möchtest Du Deine vielseitige Persönlichkeit mehr zur Geltung bringen? Dann schreib mir.

 
 
 

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